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Presseartikel

 
Donnerstag, 01. Okt 2020

Inama: «Die Lebendigkeit des Kunstschaffens sichtbar zu machen»

Begegnungen Mit «Der Stand der Dinge» wird nicht nur der Besuch einer Ausstellungsreihe ermöglicht, es ist auch eine aktive Unterstützungsaktion für Kunstschaffende, wie Johannes Inama vom Küefer-Martis-Huus dem «Volksblatt» erklärt.

«Volksblatt»: Herr Inama, es ist schon eine spezielle Herausforderung, momentan Ausstellungen zu machen. Wie erging es Ihnen in letzter Zeit?

Johannes Inama: Es hat zwei Seiten gehabt bei mir. Einerseits finde ich, dass in solchen Ausnahmesituationen mit den kulturellen Angeboten schon auch ein wenig zurückgetreten werden kann und die elementaren Dinge des Lebens eher Beachtung finden dürfen und wir die vielleicht doch weniger überlebensnotwendige Sache sind. Aber andererseits hat man trotzdem gespürt, dass im Laufe des Lockdowns die Begegnung mit kulturellen und künstlerischen Dingen fehlt, gerade wenn es länger dauert. Ich bin irgendwie gespalten zwischen diesen beiden Polen, sehe schon auch, dass Kunst in der jetzigen Lebenslage nicht für alle wichtig ist. Aber für mich als kulturell interessierter Mensch ist es doch sehr wichtig. Da sind zwei Personen, die in mir kämpfen, ich bin als 50-Prozent-Angestellter in einer Kulturinstitution in einer privilegierten Situation – obwohl ich in meinen anderen 50 Prozent als Selbstständiger auch einen völligen Einbruch erlebt habe. Aber mir ist sehr bewusst, dass es viele Leute im Kulturbereich gibt, die das weit härter trifft.

Was wäre denn im Normalfall das weitere Ausstellungsprogramm gewesen?

Wir hätten im Mai eine grossen Bienenausstellung eröffnet, in der schon über ein Jahr Vorbereitung steckte wie zum Beispiel mit dem Imkerverein, der ein lebendiges Bienenvolk in die Ausstellung gebracht hätte oder die Schulprogramme. Das mussten wir verschieben, leider auf das übernächste Jahr. Dann war eine grosse Retrospektive von Gertrud Kohli in Zusammenarbeit mit dem Alten Pfarrhof Balzers geplant, auch das wurde verschoben.

Oft sind die Ausstellungen im Küefer-Martis-Huus einem Thema gewidmet. Hat «Der Stand der Dinge» einen übergeordneten Nenner?

Nicht wirklich. Wir haben das den ausstellenden Künstlerinnen und Künstlern sehr frei überlassen. Wobei, ein wenig vielleicht doch, wie es der Titel der Ausstellungsreihe anspricht. «Der Stand der Dinge» ist eine aktuelle Bestandsaufnahme, was die aktuellen künstlerischen Positionen der Ausstellenden angeht. Aber weiter sind da keine Vorgaben gewesen.

Wie ist es zu dieser sechsteiligen Ausstellungsreihe gekommen?

Das ist im Laufe mehrerer Gespräche entstanden. Da bin ich auch öfters mit Arno Oehri zusammengesessen, der die sehr begrüssenswerte Initiative für die Gründung der IG Kunst und Kultur gestartet hat. Wir haben überlegt, was wirklich Sinn macht, wovon die Künstler auch wirklich einen Nutzen haben und wie die Gemeinde Ruggell und wir vom Küefer-Martis-Huus unterstützend wirken könnten. Wir haben unterschiedlichste Konzepte im Kopf gehabt und dann aber gefunden, dass das Spannendste eine sich verändernde Ausstellung wäre, auch um so die Lebendigkeit des Kunstschaffens sichtbar zu machen.

Wir sind mitten in der zweiten Staffel. Wer stellt im Moment aus?

Momentan sind Klara Frick, Beate Frommelt und Heide C. Heimböck im Haus, eine spannende und völlig neue Sicht im Gegensatz zur ersten Gruppe. Beate Frommelt zeigt vor allem neue textile Arbeiten, aber auch Cyanotypien. Klara Frick hat ihre reduzierten Tonarbeiten und ein Wachsobjekt mitgebracht. Heide C. Heimböck hat mit Fotografie, Texten und Toninstallationen gearbeitet, die teils für das Küefer-Martis-Huus entstanden sind.

Wie sind diese Dreiergespanne zusammengekommen?

Ursprünglich hätten die Ruggeller Künstler ihre Wunschkandidaten zu sich gesellen sollen, so hat sich diese grössere Künstlergruppe ergeben. Das war dann aber den Terminüberschneidungen geschuldet leider nicht immer möglich. Mir war es zudem ein Anliegen, diese engen nationalen Grenzen, die im Lockdown leider wieder bedeutend wurden, zu durchbrechen und zu öffnen. Deshalb sind auch Kunstschaffende aus den angrenzenden Ländern eingeladen worden, um so die regionale Vielfalt zum Ausdruck zu bringen.

Gibt es auch einen Kurator für die Ausstellungsreihe oder sind da die Kunstschaffende selbst in die Verantwortung geschlüpft?

Die Kuratorenrolle habe ich ein wenig übernommen. Es war aber schon die Idee, dass die drei Kunstschaffenden jeweils gemeinsam sich im Haus und auch thematisch zusammenfinden. Das ist auch immer spannend, was sich in diesen Dreierkonstellationen für Dynamiken ergeben.

«Stand der Dinge» ist neben der Ausstellung auch noch eine Unterstützungsaktion der Gemeinde Ruggell. Wie genau sieht dies aus?

Wir bezahlen allen Ausstellenden ein Honorar für die Teilnahme. Neben der Präsentationsmöglichkeit hier im Haus ist es also auch eine direkte finanzielle Unterstützung der Kunstschaffenden.

Was erwartet sich die Gemeinde Ruggell von der Ausstellungsreihe?

Für uns ist es sowieso eine Bereicherung, wenn das Haus wieder lebendig und mit Kunst gefüllt ist, das ist immer spannend. Und dieser relativ schnelle Wechsel der Ausstellungen ist für uns auch ein Experiment der Kunstpräsentation.

Wie haben die Besucher reagiert?

Ich bin positiv überrascht, wie gross der Publikumszuspruch ist. Der Wunsch, wieder Kunst und Ausstellungen zu sehen, ist da und gross. Wir profitieren als Kulturhaus der Gemeinde Ruggell natürlich auch davon.

Wann erwarten oder erhoffen Sie sich wieder eine Normalität im Küefer-Martis-Huus?

Da trau ich mich nicht wirklich, was zu sagen, aber ich hoffe, dass ab Mitte des nächsten Jahres vor allem im Veranstaltungsbereich wieder Normalität da sein wird. Bei uns ist es schade, dass z.B. Senioren oder andere aktive Runden das Haus momentan nicht nützen können. Oder die Begleitveranstaltungen zu verschiedensten Themen fast nicht möglich sind. Da hoffe ich schon, dass sich das ab nächstem Jahr wieder einigermassen normalisiert.

Und was wäre die nächste Ausstellung, die geplant ist nach «Stand der Dinge»?

Das Programm ist schon lange fixiert. Ab Februar wird der Verein Elf seine nächste Station im Küefer-Martis-Huus aufbauen und landschafts- sowie raum- und ortsplanerischen Fragen für Liechtenstein nachgehen. Und im Herbst 2021 ist die dritte Triennale von Visarte Liechtenstein geplant.

In dieser Zeit, was wünschen Sie sich für die Kunst, Kultur und die darin Arbeitenden?

Ich hoffe, dass sich diese Situation bald wieder entspannt. Ich selbst bin sehr froh, dass ich hier in Ruggell arbeiten kann, weil hier die Haltung sehr offen ist und gleich positive Reaktionen gekommen sind. Für hier in Ruggell habe ich gar nicht so viele Wünsche. Aber ich glaube, dass viele Künstler und Kulturschaffende noch massive Unterstützung benötigen in der nächsten Zeit und da schon noch einiges zu tun ist.
Und ich habe ich immer noch die Hoffnung, dass zwei Erkenntnisse aus dem Lockdown unsere Welt und unser Leben nachhaltig beeinflussen. Nämlich die Bedeutung des zwischenmenschlichen Kontakts und der regionalen Versorgung – auch mit Kunst und Kultur.

Ausstellung «Der Stand der Dinge»

Was: Kunst zur Zeit – Eine Ausstellungsreihe
Wer: Klara Frick, Beate Frommelt und Heide C. Heimböck
Wann: Noch bis 25. Oktober
Wo: Küefer-Martis-Huus, Ruggell
Das weitere Programm:30. Oktober bis 15. November: Arno Egger, Victorine Mül- ler und Stephan Sude. 20. November bis 6. Dezember: Helmut Gopp, Heinz P. Nitzsche und Daniela Peter. 11. Dezember bis 17. Ja-nuar: Marbod Fritsch, Martin Frommelt und Gertrud Kohli. 22. Januar bis 7. Februar: Damiano Curschellas, Simon Kindle und Carol Wyss.
Weitere Informationen auf www.kmh.li

«Der Stand der Dinge ist eine aktuelle Bestandsaufnahme, was die aktuellen künstlerischen Positionen der Ausstellenden angeht.»

Johannes Inama vom Küefer-martis-Huus in Ruggell freut sich nicht nur über die Ausstellungsreihe «Der Stand der Dinge», sonder auch über die dadurch ermöglichte Unterstützung der heimischen und regionalen Künstler. (Foto: Paul Trummer)